Die Unfallforscher der Versicherungen (UDV) gingen der Frage nach, welche Auswirkungen haben die Entwicklungen zum Schutz von Personen bei Zusammenstößen mit Autos auf Radfahrer. In den letzten Jahren haben die Automobilhersteller insbesondere in diesem Feld investiert, um den Personenschaden beim Zusammenprall zu reduzieren. Aber wie wirkt sich dieser Schutz beim Zusammenprall mit Radfahrern aus. Ein Hintergrund der Untersuchung war, dass der Anteil der getöteten Radfahrer am Straßenverkehr in den letzten 10 Jahren angestiegen ist, wie die folgende Grafik verdeutlicht (MR = Motorrad, RF = Radfahrer, FG = Fußgänger).

Getötete im Straßenverkehr nach Art der Verkehrsteilnahme
Getötete im Straßenverkehr nach Art der Verkehrsteilnahme

Ziel der Studie – Radfahrer-PKW-Unfälle

Ziele der Studie war es den Einfluss passiver und aktiver Schutzmaßnahmen am Fahrzeug auf das Verletzungsrisiko von Radfahrern zu prüfen. Hierbei sollte auch das Risiko für Radfahrer und Fußgänger sowie von Erwachsenen und Kindern verglichen werden.

Ergebnis der Studie – Radfahrer-PKW-Unfälle

Im Ergebnis kommt die Studie zu folgenden Erkenntnissen bei Zusammenstößen von Radfahrern (RF) und Fußgängern (FG) mit Autos.

  • Die Kopfaufprallgeschwindigkeiten liegen beim RF/Pkw-Unfall bei gleicher Anstoßgeschwindigkeit in allen Fahrzeug-Klassen höher als beim FG/Pkw-Unfall.
  • Das Risiko für schwere Kopfverletzungen ist für den Radfahrer deutlich höher als für den Fußgänger.
    • Diese beiden Punkte werden verdeutlicht, wenn man bedenkt, dass der Radfahrer in der Regel keine Hände frei hat, um sich zumindest geringfügig abzufangen. Hier ist das Rad bzw. Lenker im Wege.
  • Eine aufstellende Haube hat für Fußgänger häufig einen positiven Effekt, schützt aber Radfahrer nicht.
  • Ein zusätzlicher (Fußgänger-) Airbag reduziert das Kopfverletzungsrisiko bei (erwachsenen) Fußgängern deutlich. Bei Radfahrern hat er eine geringere Bedeutung.
  • Durch eine Reduzierung der Aufprallgeschwindigkeit um 20 km/h werden die geringsten Kopfbelastungen erzielt – dies gilt für alle Fahrzeug-Fronten sowie für RF und FG gleichermaßen und ebenso für Erwachsene und Kinder.
    • Die Reduzierung der Aufprallgeschwindigkeit kann beim Auto zum Beispiel durch eine automatische Notbremse mit Fußgängererkennung erreicht werden.

Folgerungen der Studie – Radfahrer-PKW-Unfälle

Die Folgerungen deuten daraufhin, dass bei der Entwicklung des Fußgängerschutzes bisher kaum die Bedürfnisse von Radfahrern beachtet wurden. Im Einzelnen heißt es:

  • Radfahrerschutz ist bisher kaum beachtet worden.
  • Die passiven Maßnahmen zum Fußgängerschutz sind für Radfahrer nicht
    ausreichend.
  • Nur ein Airbag, der den steifen Bereich um die gesamte Frontscheibe, (ASäulen, Dachkante, Scheibenunterkante) abdeckt, eignet sich zum passiven Radfahrerschutz.
  • Diese Maßnahme ist technisch aufwendig und von begrenzter Wirkung.
  • Der Notbremsassistent ist das Mittel der Wahl. Seine Entwicklung
    (zuverlässige Erkennung unter allen Umgebungsbedingungen) und
    Serieneinführung muss beschleunigt werden.
  • Der Radhelm ist eine Maßnahme, die der Radfahrer selbst treffen kann.

Es kann daher zusammengefasst werden, dass bei Unfällen zwischen Radfahrern mit Autos insbesondere der Kopfbereich verletzt wird. Aus diesem Grund – und hierauf wird in der Studie eindeutig hingewiesen – sollte der Radfahrer im eigenem Interesse einen Radhelm tragen.

Quelle:
Unfallforschung der Versicherungen

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