Das Fahrrad spielt als Verkehrsmittel eine immer wichtigere Rolle. Auch in Friedrichshafen. Mehr Fahrräder im Verkehr heißt aber auch mehr Verkehrsunfälle mit Rädern. Ekkehard Falk, Leiter des Polizeipräsidiums in Konstanz, sieht in der steigenden Zahl der Radunfälle „ein großes Problem“. Allein 2016 stieg die Zahl um 20 Prozent. Überproportional betroffen sind Radler jenseits der 70 Jahre-Grenze.

Ein Fahrradunfall, zudem noch ein tödlich verlaufener, ereignete sich jüngst in der Häfler Löwentalunterführung. Charakteristikum dieses Unfalls: Die tags nach dem Unfal lim Klinikum verstorbene Frau war über 70 Jahre alt. Vor allem aber: Sie trug keinen Fahrradhelm. Dabei könnten die Unfallfolgen besonders dadurch minimiert werden, wenn Radler einen Helm tragen würden. „Schütze Dein Bestes. Und das ist eben der Kopf“, meint Polizeichef Falk.

Thema Helmpflicht

Einführung einer Helmpflicht für alle Radfahrer? Ekkehard Falk sieht die Einführung einer solchen Pflicht als „schwierig“ an: „Etwas einzuführen, was dann aber nicht durchgesetzt werden kann, halte ich für sinnlos“. Was bleibt, ist der Appell, sich „unbedingt einen Helm aufzusetzen“.

Nach Erfahrungen der Polizei haben besonders die Fahrradunfälle bei den über 70-Jährigen zugenommen. Und die sind heute oft auch mit dem Pedelec unterwegs. Was nicht problemlos ist. Falk: „Viele ältere Pedelecfahrer unterschätzen dabei die Situation.“ Sie seien zwar zehn Jahre lang nicht mehr auf dem Rad gesessen, glauben aber, Radfahren verlerne man nie. Das könne sich als sehr trügerisch erweisen. Der Polizeichef empfiehlt grundsätzlich, eine Art Fahrstunde mit dem neuen Fahrrad zu absolvieren.

2016 passierten im Bodenseekreis 409 Unfälle mit Fahrrädern. 344 davon ereigneten sich innerhalb geschlossener Ortschaften. Kracht es außerhalb, werden statistisch gesehen bei 82 Prozent der Unfälle beteiligte Radfahrer schwer verletzt – müssen also zumindest für eine Nacht stationär im Krankenhaus bleiben. Innerorts erleiden viel weniger Menschen schwere Verletzungen.. Für 2017 veröffentlicht die Polizei noch keine Unfallzahlen mit Radlern. „Der Trend aber entspricht der Entwicklung der Vorjahre“, erklärt Polizeisprecher Klaus Bezikofer auf Anfrage der SZ.

Radfreundliches Friedrichshafen?

Friedrichshafen will sich als Fahrradstadt erklärtermaßen weiterentwickeln. Wie fahrradfreundlich die Stadt tatsächlich ist, der Frage sind jüngst rund 300 Häfler Radler innerhalb des Fahrrad-Klima-Tests des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) nachgegangen. Sicherheitstechnisch wurde die Stadt von den Radlern nicht schlecht beurteilt. Nur die Radweise seien teilweise zu schmal, hieß es. Exemplarisch aber die vielsagende Aussage einer Fahrradfahrerin: „Die Autofahrer passen zu wenig auf, also muss man es selber tun“. Eine Aussage, die laut ADFC die Hauptunfallursache bei Radfahrern beschreibt: fehlerhaft abbiegende Kraftfahrzeuge und Missachtung der Vorfahrt der Radfahrer.

Quelle:

Schwäbische Zeitung

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